Wie das Marketing das Internet der Dinge nutzen kann

Das Internet der Dinge, kurz IoT (Internet of Things), also ein Netzwerk von Geräten und Gegenständen, die Daten sammeln und austauschen können, ist schon längst kein Science-Fiction mehr. Smart Watches, VR-Brillen, Fitness-Armbänder, mobile Gesundheitsüberwachung, intelligente Verpackungen und eine Vielzahl mit dem W-Lan verbundenen Haushaltsgeräte sind bereits Teil des täglichen Lebens. Das ist allerdings erst der Anfang. Wie können Marketer diese Entwicklung für sich nutzen?  

Ein schnell wachsender Trend

Laut einer Umfrage von Gartner werden bis 2022 weltweit 21 Milliarden “Dinge” mit dem Internet verbunden sein. Apple, Google, Samsung, Microsoft, Amazon, Cisco Systems, IBM und all die anderen – die Anzahl der Marktteilnehmer wächst monatlich und die schnelle Akzeptanz der Konsumenten gegenüber diesen Anwendungen steigt ebenfalls. Damit sind auch die Auswirkungen des IoT auf die Gewohnheiten der Menschen und deren Medien- und Informationskonsum groß – Das Internet der Dinge beeinflusst somit auch die Medienreichweiten und Werbeausgaben. 

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Beispielsweise zeigen die Daten von Kantar Media, dass zu Anfang dieses Jahres fast 2,8 Millionen Haushalte bereits vernetzte Geräte besitzen. Darüber hinaus zeigen die Daten ein durchschnittliches Wachstum beim Besitz von vernetzten Geräten von 20 Prozent innerhalb von sechs Monaten des vergangenen Jahres. Im ersten Halbjahr 2016 warben zweimal so viele Unternehmen in diesem Bereich, was die Werbeausgaben hier auf ein Rekordhoch trieb. 

Das ist aber noch nicht alles: Die Berichterstattung zum Thema IoT ist weltweit beeindruckend, nicht nur in den Fach- sondern auch in den Publikumsmedien. TV-Sender und Radiostationen haben IoT-Themen zunehmend auf der Agenda. In den Social Media-Kanälen wird das Thema ausführlich diskutiert, Twitter wurde zeitweilig mit Posts zu diesem Thema überschwemmt. Kantar Media zählte zwischen dem 17. Und 24. August 2016 gut 340.000 Tweets zum IoT allein in Deutschland – in nur einer Woche!

  

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Werden Sie Datensammler 

Bisher war es kaum möglich, Daten über den Gebrauch von (Alltags-)Geräten und Gegenständen zu sammeln. Indem diese Produkte aber nun vernetzt sind, ist es dem Marketing möglich, zahlreiche solcher Informationen zu erheben. Unter Berücksichtigung der Privatsphäre der Nutzer sind beispielsweise umfangreiche Daten verfügbar, die sich zum besseren Konsumentenverständnis nutzen lassen. 

Wo befinden sich meine Kunden in der Customer Journey? Wo kann optimiert werden? Über Social Media, Sensoren in Produkten, Wearables und anderen Plattformen können nun digitale Signale in Real-Time erfasst werden, um Kundenwünsche zu ermitteln, Touchpoints zu erkennen und die besten Wege zu finden, Kunden zu erreichen. Mittlerweile sind technologische Lösungen verfügbar, die dabei helfen, die Datenströme aus den Produkt-Sensoren, den unterschiedlichen Endgeräten und Plattformen zusammenzuführen, um so ein umfassenderes Bild vom Konsumenten zu erhalten. Die Erhebung von Daten in Echtzeit führt dazu, dass die Customer Journey genau auf die jeweiligen Bedürfnisse eines Kunden abgestimmt werden kann. Nach E-Mail-Marketing, Web, Social Media und Mobile Internet hat das Internet of Things das Potenzial, das Marketing auf einen neuen Level zu heben, denn die Interaktion mit dem Kunden kann quasi überall und jederzeit geschehen. 

Durch IoT-Daten können Unternehmen herausfinden, wie ihre Produkte tatsächlich verwendet werden, wie sie in den Haushalt gelangt sind und viele andere Dinge mehr. Aufschlussreiche Informationen darüber, wie Menschen Dinge nutzen und mit ihnen auch „offscreen“ interagieren, sind für alle Disziplinen und Bereiche nutzbar. Beispielsweise können Händler diese Daten auswerten, um in ihren Vor-Ort-Geschäften besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zu reagieren – etwa mithilfe von Beacons, interaktiven Displays, virtuellen Kleiderschränken, smarten Spiegeln und vernetzten Kameras. Gesundheitsorganisationen können Patientendaten auswerten, um den künftigen Behandlungsbedarf abzuschätzen oder den Betreffenden Empfehlungen zur gesünderen Lebensführung zu geben. Versicherer können Daten moderner Fahrzeuge und Smart-Homes erfassen, um ganz individuelle Angebote zu erstellen. Unternehmen aber auch Non-Profit-Organisationen erhalten neue Möglichkeiten, ihre Erkenntnisse über das Verhalten von Menschen nachhaltig zu vertiefen. 

  

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Die besten Nutzererfahrungen

Vor allem last sich mit den Daten und Anwendungsmöglichkeiten mit IoT die User-Expierience deutlich verbessern. Auch, was das Targeting betrifft. Kunden können beispielsweise danach segmentiert werden, wie sie bestimmte Produkte anwenden und welchen primären Nutzen sie tatsächlich daraus ziehen. Die Ansprache kann dann entsprechend differenziert werden und die Erkenntnisse darüber hinaus in die Produktentwicklung einfließen. Angefangen bei smarten Windeln über intelligente Cola-Automaten bis hin zu Türsensoren – jedes vernetzte Objekt eröffnet Gelegenheiten neue und immersive Nutzererfahrungen zu schaffen. 

Auch der Kundenservice kann durch IoT weiterentwickelt werden. Daten in Echtzeit ermöglichen es, schnell Kundenanfragen zu begegnen und den Kaufprozess zu optimieren. Ein Sensor in einer Kaffeemaschine kann beispielsweise feststellen, dass der Kaffee zur Neige geht, um dann über ein vorher getätigtes Kaffe-Abo neuen zu bestellen. Ein weiteres Beispiel ist der Netflix-Service “Switch Netflix”. Dabei handelt es sich um einen Button, der mit einem Klick alles für den gelungenen TV-Abend in die Wege leitet: Das Telefon wird auf  “leise” gestellt, das Licht gedimmt und die Lieblings-Pizza bestellt.   

Die Idee der Content-Distribution verändert sich ebenfalls. Kunden zu erfolgreich aktivieren, bedeutet den richtigen Content zur richtigen Zeit auszuspielen. Welches Endgerät nutzt er zurzeit? Wo befindet sich dieses Gerät? Zu welchem Zweck nutzt er das Deivce gerade? CRM kann hier eine Brücke zwischen der realen und der digtalen Welt schlagen, um in Echtzeit Kaufanreize zu setzen, die höhere Conversionrates erzeugen, als wir sie bisher kennen. Unsere Armbanduhren, Kühlschränke und Spiegel liefern aktuelle Meldungen, Ratschläge, Rezepte, Unterhaltung … Marketingstrategien werden um die aktuellen Bedürfnisse der Kunden herum gebaut, nicht mit dem Ziel, eine klassischen Markenbotschaft abzusetzen. 

Das eröffnet der Werbung eine neue Zukunft. Werbetreibende haben nicht nur Zugang zu einer Vielzahl von Kanälen und Geräten, sondern können Zielgruppen auch mit viel individuelleren und inhaltlich abgestimmten Botschaften erreichen, um die Werbeeffekte zu maximieren. Kurzum: Das Internet der Dinge bietet ungeahnte Chancen mit Kunden und Konsumenten in Kontakt zu kommen und Beziehungen aufzubauen. 

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Seien Sie erfinderisch

Mit dem Internet der Dinge kann das Marketing eine Marke fit für die Zukunft machen. Vernetzte Dinge in sein Marketing-Repertoire aufzunehmen, kann beispielsweise zusätzlich technikaffine Zielgruppen aktivieren. Zielgruppe werden so weiter ausgebaut, verjüngt und aufgewertet. Werden hingegen die entscheidenden technologischen Trends verpasst, kann das eine Marke schnell ins Abseits manövrieren.

Dank eines umfassenden Angebots von innovativen und vernetzten Geräten hat es etwa Samsung geschafft, sich als technologischer Pionier zu positionieren. Gwen Jorgensen, die weltweit erfolgreichste Triathletin, hat für ihr Training vor den Olympischen Spielen medienwirksam ein VR-Headset von Samsung genutzt, um sich unter anderem die Radrennstrecke in Rio de Janeiro einzuprägen. Marketingleiterin Noreen O’Leary sagte zu dieser Aktion, dass es die größte Herausforderung sei, einen größeren Share of Mind bei den Millenials zu erreichen und fügte hinzu: “Es ist für uns wesentlich, für die Marke Samsung Galaxy ein junges und frisches Mindset zu schaffen.”  Samsung ließ vor kurzen verlautbaren, dass das Unternehmen in den kommenden vier Jahren 1,2 Milliarden US-Dollar in das Internet der Dinge und in die Forschung und Entwicklung investieren werde. 

touchpointsDenn mit eigenen vernetzten Produkten lässen sich junge Menschen erreichen, die an neuen Dingen interessiert sind, und damit eine sehr vielversprechende Zielgruppe darstellen. Daten von Kantar Media zeigen, dass Besitzer von vernetzten Dingen über nahezu alle Kanälen mehr Medieninhalte konsumieren als der Durchschnitt, selbst wenn sie vor allem Social Media und Online-Videos nutzen.  

 

Ist es also höchste Zeit, den Marketing-Hebel an das Internet der Dinge anzusetzen, oder ist es dafür noch zu früh? Lassen Sie uns Ihre Meinung wissen! 

  

[1] http://uk.businessinsider.com/internet-of-things-devices-applications-examples-2016-8?r=US&IR=T
[2] Source : eMarketer
[3] Audience targeting based on declarative data (15-year-olds and older)
[4] Source : Kantar Media
[5] https://news.samsung.com/global/samsung-electronics-announces-vision-for-a-human-centered-internet-of-things-planning-1-2-billion-for-u-s-research-and-development-of-iot






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